Februar 2026
Auf dem Weg zu inklusiven und zukunftsfähigen Organisationen
#OrgDerZukunft
Von Jocelina Ndimbalan
2025 haben sich zwölf zivilgesellschaftliche Organisationen gemeinsam mit uns und unserem Projektpartner emcra – Co‑Shaping Europe auf die Reise begeben, eine inklusive Organisation der Zukunft zu werden. Organisationsentwicklung ist wahrlich kein kleines Unterfangen, aber nach dem ersten Drittel der Projektlaufzeit möchten wir eine erste Zwischenbilanz ziehen und einen Ausblick auf die kommenden Schritte im Jahr 2026 geben.
Im vergangenen Jahr fanden die ersten drei von insgesamt sechs geplanten Trainingsmodulen statt, jeweils begleitet durch das Awareness-Team von DisCheck. FAIR SHARE konnte in diesem Rahmen gezielt seine Expertise in Feminist Leadership, Machtkritik und Anti-Diskriminierung einbringen. Doch was ist eigentlich eine inklusive Organisation und was genau braucht es, um eine solche zu gestalten? Wir sind überzeugt, dass dafür Prozesse und Strukturen nötig sind, die Werte wie Gerechtigkeit, Fürsorge, Vertrauen und Diskriminierungskritik innerhalb der Organisationen widerspiegeln.
Gemeinsam mit den Expert*innen Tara Hawk, Mashanti Alina Hodzode und Stephanie Cuff-Schöttle (DE_CONSTRUCT Lab) haben wir die teilnehmenden Führungskräfte, Personalverantwortlichen und alle weiteren Kolleg*innen, die ihre Organisation mit– und umgestalten wollen, an zentrale Fragen herangeführt:
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Wie führe ich und möchte ich führen?
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Wo und wie zeigt sich Macht in unseren Strukturen und unserem Miteinander?
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Wie werden Entscheidungen getroffen und kommuniziert?
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Welche Auswirkungen haben derzeitige Strukturen und Prozesse auf mehrfach marginalisierte Personen und wo entsteht Ausschluss, den wir kaum wahrnehmen?
Wir haben uns zudem mit Themen wie Vertrauen und Sicherheit im Team, Feedback‑ und Fehlerkultur sowie feministischer Konfliktbearbeitung auseinandergesetzt. Was wir dabei festgestellt haben: Wenn Organisationen diese Aspekte nicht aktiv in ihrer Arbeitskultur verankern und leben, bleibt deren Aufrechterhaltung an einzelnen Personen hängen – ein Risiko, das schnell zu Erschöpfung führen kann.
Das betonen auch die Expert*innen Mashanti Alina Hodzode und Stephanie Cuff-Schöttle. Sie schulten unsere Teilnehmenden zum Thema Belastungen, Resilienz und Fürsorge. Denn Arbeitsorte und Teams sind vor allem eines: Zusammenkünfte von Menschen, die etwas neues Erschaffen. Dabei dürfen Arbeitgebende das Wohlergehen ihrer Mitarbeitenden aber nicht hintenanstellen. Das DE_CONSTRUCT Team machte uns verständlich wie wichtig, die individuelle Auseinandersetzung mit Belastungen ist, aber, dass es auch Räume und Methoden braucht, um diese Belastungen kollektiv zu adressieren. Dabei eine diskriminierungskritische Sichtweise auf unser Zusammensein zu etablieren, ist integral und wir dürfen nicht vergessen uns zu fragen, was es mehrfachmarginalisierte Personen eigentlich kostet, mit am Tisch zu sitzen.
Die Stimme einer unserer Projektlotsinnen (das sind die Brückenbauer*innen zwischen Projekt und den jeweiligen teilnehmenden Organisationen) hallte noch lange nach: „Es gibt keinen besseren Zeitpunkt, über Prozesse und Strukturen nachzudenken, als jetzt, während wir unsere neue Satzung diskutieren.“ Wir teilen diese Einschätzung. Transformationsprozesse können sowohl aufregend als auch verunsichernd sein, sie bringen jedoch immer ein Momentum mit sich.
Im Projekt stärken wir die Teilnehmenden darin, Chancen und Potenziale zu erkennen und zu nutzen. Dazu bieten wir nicht nur thematische Tauchgänge, sondern auch aktuelle Modelle und praxisnahe Konzepte, mit denen die Organisationen ihre eigenen Kontexte analysieren und weiterentwickeln können. Unser Projektpartner emcra – Co‑Shaping Europe bringt dabei langjährige Erfahrung in der Organisationsentwicklung, innovative Werkzeuge und die Prinzipien der Soziokratie ein.
Ausblick: Was steht 2026 an?
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emcra – Co‑Shaping Europe wird die nächsten drei Trainingsmodule federführend begleiten und die Teilnehmenden gezielt an die Implementierung neuer Strukturen und Prozesse heranführen.
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Ende April findet das vier-tägige Methoden-Training zu „Open Space“-Facilitator*innen in Berlin statt, das für weitere Vertreter*innen aus der Zivilgesellschaft offen ist. Mehr Informationen und die Anmeldung findest du hier!
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Aufbauend auf einer Status‑Quo‑Analyse erstellen wir darüber hinaus maßgeschneiderte Workshop‑ und Coaching‑Angebote, die den Organisationen auf ihrem Weg zu mehr Inklusivität helfen.
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Parallel starten die Peer‑Learning‑Gruppen „Organisationsentwicklung“ und „Gerechtigkeit & Vielfalt“. Dort können die Teilnehmenden mitgebrachte Fälle diskutieren und vor allem mit- und voneinander lernen.
Unsere Projektorganisationen sind also auf vollem Kurs und wir überzeugt: Nur im Miteinander – im Netzwerk – in Kooperation, können wir traditionelle, patriarchale Systeme hinter uns lassen und zukunftsfähige Organisationen schaffen.
